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Meine Abschlussarbeit in Grafikdesign an der OfG: „Buchgestaltung «Lieben. Keine Anleitung»“

In ihrem aktuellen Abschlussprojekt an der OfG beschäftigt sich Manuela Müller intensiv mit der Frage, was es bedeutet, wirklich zu lieben. Ihr Ziel ist es, ihre persönlichen Erkenntnisse in ein universelles Gewand zu kleiden und eine visuelle Gestaltung zu schaffen. Im Rahmen des fotografisch-gestalterischen Prozesses durchsucht sie einen umfangreichen Bildfundus und wählt Bilder aus, die eine unkonkrete Anmutung haben und das Thema der Liebe auf subtile Weise widerspiegeln. Love is all you need.

Ein paar Fragen zum Einstieg:

Wie sieht Ihr Setting aus? Womit arbeiten Sie?
Unterwegs habe ich oft ein Notizbuch dabei. Zu Hause oder in den Ferien arbeite ich meist am Laptop. Ich habe im Atelier zwei Tische, von denen einer gut zum Zeichnen geeignet ist. Generell arbeite ich da, wo es am besten passt, manchmal auch am Küchentisch oder auf dem Sofa. Zum Fotografieren nutze ich momentan noch das Smartphone, möchte mir aber baldmöglichst wieder eine Kamera zulegen. Ich habe einen A4-Scanner und einen A3plus-Tintenstrahldrucker. Weitere wichtige Utensilien sind die Schneidmatte, der Cutter, ein Metallmaßstab sowie ein selbstgefertigter Maßstab aus Karton und ein Falzbein, um festeres Papier zu rillen. Ich arbeite auf macOS mit den Adobe-Creative-Cloud-Programmen und dem Text-Editor oder LibreOffice.
Welche Techniken und Tools nutzen Sie, um ein Konzept zu entwickeln und kreative Ideen zu generieren?
Wichtig ist, dass ich mich für ein Thema oder eine Idee entscheide. Dann kann ich meine Wahrnehmung darauf ausrichten und mich intensiv damit auseinandersetzen. So bekomme ich ein Gefühl dafür und entwickle ein tieferes Verständnis von der Materie. Die Entstehung eines Konzepts beginnt oft unbewusst während des Recherchierens und Sammelns. Um nicht in der Ideen- und Konzeptphase hängenzubleiben, muss ich irgendwann mal direkt in die Arbeit einsteigen und konkret etwas ausprobieren. Texte ausdrucken und auf der Magnetwand platzieren oder eine Gestaltung andenken und grob zusammenfügen, was ich mir gerade vorstelle. Ich verschaffe mir immer wieder den Überblick über meine Arbeit, um aus einer gewissen Distanz darauf schauen zu können. Dem folgen Impulse, etwas anzupassen oder es zeigen sich neue Ideen, Wendungen und Wege.
Welche Musik hören Sie am liebsten beim Arbeiten?
Da Klänge eine große Wirkung auf mich und meine Arbeit haben, höre ich in der Regel dann keine Musik, außer ich möchte diesen Einfluss bewusst herbeiführen. Wenn es um reine Layout-Anpassungen geht, die keine wichtigen gestalterischen Entscheidungen verlangen, kann es schon mal sein, dass ich mir ein Interview oder Musik mit Hintergrundcharakter anhöre. Auch binaurale Beats, die die Konzentration fördern, habe ich schon ausprobiert.
Wie gehen Sie mit kreativen Blockaden um?
Nach Möglichkeit gebe ich mir Zeit und Raum. Ich setze mich auf keinen Fall vor ein leeres Blatt Papier, denn das, was wir Blockade nennen, ist oft nur die Vorstellung davon, dass kreatives Schaffen hieße, ein konkretes Produkt erstellen zu müssen – einen Text, ein Bild, etwas Greifbares. Meiner Erfahrung nach ist Kreativität nie blockiert, sie ist nur nicht immer sichtbar. Eine Begegnung, ein Film, eine Nacht voller Träume … alles kann Nahrung oder Ausdruck sein, alles gehört dazu, denn alles, was irgendwann auf gestalterische, künstlerische Weise ausgedrückt wird, basiert auf unseren Erfahrungen und unserem Erleben.
Wie präsentieren und vermarkten Sie Ihre kreativen Arbeiten?
Meine Arbeiten präsentiere ich auf der Website. Ausstellungen oder Lesungen kündige ich gerne mit persönlich adressierten Postkarten oder Mails an. Am liebsten ist mir die Mund-zu-Mund-«Werbung», weil ich so ohne konkrete Absicht aus dem Herzen heraus von meiner Arbeit erzählen kann.
Welche Tipps haben Sie für andere OfG-Absolventen, die gerade an ihrer Abschlussarbeit sitzen?
Zumindest am Anfang den Perfektionsanspruch völlig herausnehmen und erst einmal skizzieren, ohne zu bewerten. Einfach irgendwo anfangen, ganz egal wo. Freude an der Arbeit haben und sich nicht verrückt machen lassen von den eigenen Ansprüchen. Wie bei einer Zeichnung immer das ganze Bild auf dem Radar halten, zwischendurch einen Schritt zurücktreten und schauen, ob es noch stimmig ist. Den Partner, Freunde oder Arbeitskollegen fragen, wie die Arbeit auf sie wirkt. Das gibt wertvolle Hinweise für die Gestaltung. Vermeintliche Fehler können wichtige Wegweiser sein oder sich als genau das, was es noch benötigte, herausstellen. Sogenannte Leerläufe gibt es nicht, es sind nur hilfreiche Schritte auf dem Weg.
mockups_buch

Das Konzept

In meiner aktuellen Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, was es heißt, wirklich zu lieben. Im vorliegenden Projekt soll dieses persönliche Interesse in ein universelles Kleid gegossen werden: Was heißt lieben? Wo verstehen wir die Liebe nicht? Wie kann Liebe sichtbar werden? Wie tarnt sie sich und wo wird sie missverstanden? Aus meiner Sicht hat der Wunsch, geliebt zu werden, mit dem fehlenden Gefühl von Verbundenheit zu tun.

Fotografisch-gestalterischer Prozess

Als Logo gilt in dieser Arbeit der Buchtitel. Meine drei Schriftzug-Entwürfe hatte ich bereits in der Konzeptphase in einen Buchumschlag-Entwurf, also in den Gestaltungskontext gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte ich auch das Logo für den fiktiven Verlag.

Durch meine künstlerische Arbeit verfüge ich über einen großen Fundus an Bildmaterial. Für die Gestaltung des Buchcovers und der Inhaltsseiten habe ich diesen durchsucht und jedes Bild, das ich mir für das Layout vorstellen konnte, fotografiert. Aufgrund einiger vorangegangener Tests wusste ich bereits, dass die Bilder eine leichte, flüssige sowie auch grobe und unkonkrete Anmutung haben sollten. Beim späteren Gestalten habe ich zudem Ausschnitte gewählt, die das Unkonkrete verstärken, sodass die ursprüngliche Form teilweise nicht mehr erkennbar ist.

bildmaterial_buchcover

Nachdem ich das Motiv für den Buchumschlag gewählt und diesen in InDesign fertiggestellt hatte, habe ich die Layout-Vorlage für die Inhaltsseiten angelegt. Die Idee, bei der Gestaltung des Inhalts Seite für Seite vorzugehen, sodass die vorangehende Seite oder Doppelseite die nachfolgende inspiriert, diente mir als Starthilfe und Leitplanke. Ich begann, mit dem fotografierten Bildmaterial und eigenen, bereits vorhandenen Texten. Während des Prozesses habe ich neue Texte geschrieben und die Gestaltung und Reihenfolge so angepasst, dass sich alles zu einem stimmigen Bild fügte.

Von einer ersten Version des Inhalts hatte ich einen Testdruck erstellt, die Seiten geschnitten, gefaltet und geschaut, ob Farben, Schriftgrößen und Bildmaterial passen.

testdrucke

Nach Fertigstellung des Layouts habe ich passende Mockups für die Visualisierung des Buchumschlags, der Inhaltsseiten und möglicher Werbe-Produkte gesucht und meine Gestaltung darin umgesetzt. Solche realitätsnahen Visualisierungen zu erstellen ist nicht nur toll, um die Arbeit optimal zu präsentieren, es ist auch hilfreich, um ihre optische Wirkung vorab zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.

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mockups_buch-werbung

Fazit

Zwei wesentliche Erkenntnisse aus der Abschlussarbeit: Erstens, der Inhalt eines Buches kann parallel zu dessen Gestaltung entstehen. Eine für mich bisher nicht bedachte Möglichkeit, an ein Projekt heranzugehen oder damit weiterzukommen. Zweitens, ein Konzept muss nicht unbedingt einengend sein. Im Gegenteil, es kann zu einer klareren Ausrichtung führen, die bei der Gestaltung automatisch unterstützend wirkt.

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Manuela Müller
OfG-Absolventin / Grafikdesign
www.manuela-mueller.ch


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