Meine Abschlussarbeit in Grafikdesign an der OfG: „Kinderbuch – Omi-Tage“
Ein paar Fragen zum Einstieg:
Analog arbeite ich mit Notizbüchern und Skizzenheften, Stiften, Textmarkern und Finelinern. Digital arbeite ich auf einem Windows-PC mit Adobe Illustrator, Adobe InDesign und Adobe Photoshop. Schnappschüsse mache ich mit meinem iPhone, ordentliche Fotos entweder mit meiner digitalen oder analogen Spiegelreflexkamera (beide von Canon).
Anregungen und Ideen hole ich mir auf Pinterest und auf Instagram bei meinen Lieblingskünstler*innen. Aber auch ein Spaziergang durch die Stadt ist eine riesige Inspirationsquelle für mich: Schaufenster, Menschen, Architektur – all das bringt viele neue Ideen in mir hervor. Liebevoll gestaltete Buchcover, ausgefallene Plakate, alte Fotografien und tolle Typografie mag ich besonders.
Zu Beginn eines Projektes, schreibe ich alles, was mir dazu in den Kopf schießt, in ein Notizbuch. Das können wirre Stichpunkte, einzelne Schlagworte bis zu ausformulierten Sätzen oder ganzen Textpassagen sein. Dazu setze ich mich nicht irgendwohin und denke „So, jetzt entwickelst du ein Konzept!“. Das funktioniert bei mir nicht. Die Gedanken und Ideen kommen wie sie wollen und wann sie wollen. Und da das überall und jederzeit passieren kann, habe ich Notizbuch und Stift meistens griffbereit bei mir.
Erst wenn genügend erste Ideen und Notizen zusammengekommen sind, setze ich mich in Ruhe hin (meist abends im Bett), sortiere diese, baue sie weiter aus und verwerfe einige auch wieder. In dieser Phase erstelle ich auch eine erste Kapitelübersicht, ein grobes Layout-Konzept sowie einen ungefähren Zeitplan. All das wird im Laufe des Prozesses immer wieder überarbeitet, angepasst und verfeinert.
Weiterentwickelte Ideen skizziere ich dann in ein DIN A3 großes Skizzenheft. Das sind oft sehr grob und sehr schnell gezeichnete Kritzeleien, die einfach nur eine Szenerie, eine Atmosphäre, eine Farbpalette oder ein bestimmtes Layout festhalten sollen, bevor ich diese dann sauber digital zeichne oder layoute.
Beim Schreiben und Überlegen höre ich meistens Filmmusik ohne Text. Besonders bei den „Game of Thrones“-Soundtracks kann ich mich am besten konzentrieren. Meistens muss es in dieser Phase des Prozesses aber einfach nur still sein.
Beim Zeichnen mit Adobe Illustrator lasse ich Serien, Filme oder Dokus nebenherlaufen. Durch das Zusammenspiel aus Geräuschen, Stimmen, Musik und Bildern komme ich am besten in einen produktiven Flow.
Beim Layouten läuft dann wieder Musik – dieses Mal mit Text und bestenfalls zum Mitsingen: Musicals, Disney-Songs oder Alben von meinen Lieblingsinterpret*innen.
Kurz räumlich sowie gedanklich Abstand vom Projekt gewinnen. Ich mache dann in den meisten Fällen etwas in der Wohnung (Aufräumen, Wäsche zusammenlegen, Pflanzen gießen, Geschirr abwaschen). Auch hilft es mir, mit meinem Freund darüber zu reden. Beim Reden kommen dann oft direkt Ideen zur Problemlösung.
Wenn absolut gar nichts mehr geht, mache ich an der Stelle Schluss und probiere es am nächsten Tag erneut. Eine Nacht darüber schlafen, wirkt bei mir oftmals Wunder.
Meine persönlichen, kreativen Herzensprojekte präsentiere und vermarkte ich innerhalb meines Familien-, Freundes- und Bekanntenkreises. Hier funktioniert die Mundpropaganda ausgezeichnet. Zudem veröffentliche ich gelegentlich Beiträge auf meinem Instagram-Account, die ein abgeschlossenes Projekt veranschaulichen.
Versuche, dich nicht zu sehr zu vergleichen. Bei all den tollen Projekten auf Instagram, Pinterest und Co. können schnell Gedanken aufkommen wie „Dagegen ist mein Projekt doch lachhaft“ oder „So etwas Schönes / Kreatives / Schlaues werde ich niemals erschaffen können“. Doch nimm all dies lieber als Inspiration und Motivation, lass es in dein eigenes Projekt einfließen und konzentriere dich auf die Umsetzung deiner Ideen.
Die Idee
Als Abschlussarbeit im Bereich Grafikdesign habe ich mich für das Illustrieren, Schreiben und Layouten eines Kinderbuches entschieden.
Der Wunsch, ein Kinderbuch selbst zu gestalten, schlummerte schon eine kleine Weile in mir. Es gab allerdings nie den Anlass, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, geschweige denn eine zündende Idee für ein Thema. Umso schneller kam dann alles, als es um die Konzeptschreibung meiner Abschlussarbeit ging. Innerhalb einer Straßenbahn-Fahrt von meiner Arbeit nach Hause (ca. 15 Minuten) hatte ich das Konzept, den Titel, den Inhalt sowie die ersten Kapitel zu Papier gebracht. Dies war der Anfang von „Omi-Tage“.
Das Konzept
In dem Buch geht es um Nele. Sie ist fünf Jahre alt und verbringt einmal in der Woche einen Tag (manchmal auch ein ganzes Wochenende) mit ihrer Oma Regina, die sie Omi Nala nennt. Diese Oma-Enkelin-Zeit nennen die beiden „Omi-Tage“. Neles Mama bringt sie nach dem Kindergarten zu ihrer Omi, die in der Stadt eine Wohnung in einer alten Gründerzeit-Villa hat. Nele und Omi backen dann zusammen Pfannkuchen, spielen Karten mit Omis Freundinnen, machen Yoga auf der Dachterrasse und haben ein eigenes Gute-Nacht-Ritual.
Das Buch soll die Verbundenheit einer Oma-Enkelin-Beziehung thematisieren und dabei die Geborgenheit und Leichtigkeit der gemeinsamen – teils unaufgeregten – Erlebnisse widerspiegeln. Es braucht keine teuren Geschenke oder aufwendigen Erlebnisse. Es reicht ganz oft einfach gemeinsam Zeit mit kleinen, alltäglichen Dingen zu verbringen, wie zusammen backen, Spiele spielen, lesen, Mittagsschlaf machen, lecker (und viel) essen oder zusammen Omi-Serien schauen.
Die Namensgeberin für Omi Nala in der Geschichte ist meine Ururgroßmutter Regina. Die Oma meines Opas, die von ihren Enkelkindern Nala oder Lala genannt wurde.
Das Layout
Im Layout sollte es einen Wechsel aus großen, zweiseitigen Panorama-Szenen („Yoga auf der Dachterrasse“), Serien aus mehreren, kleinen Sequenzen („Pfannkuchen backen“), einseitigen Bildern („Omis Wohnung“) sowie groß heran gezoomten Detailaufnahmen („Omas Handtasche“) geben. Dabei sollten Text und Illustration immer eine spielerische Einheit bilden.
Mein Ziel war es, dass die einzelnen Seiten verspielt wirken sollten, ohne jedoch zu überladen und zu unübersichtlich zu werden. Beim Betrachten der Bilder sollen den Leser*innen immer wieder aufs Neue kleine Details auffallen.
Die Texte
Die Zielgruppe sind Kinder im Vor- und Grundschulalter. Daher sollte mein Kinderbuch überwiegend aus Illustrationen bestehen, die von kurzen, leicht verständlichen Texten begleitet werden. Diese können entweder vorgelesen werden oder zum selbst Lesen animieren.
Nele erzählt dabei aus der Ich-Perspektive in einem schnörkellosen, kindlichen Erzählstil – ähnlich wie kleine Tagebucheinträge. So können die jungen Leser*innen oder Zuhörer*innen sich besser mit der Protagonistin identifizieren.
Die Illustrationen
Da die farbenfrohen Illustrationen beim Betrachten Spaß vermitteln sollen, hatte ich ein einfaches Farbkonzept aus wenigen, leuchtenden, fröhlichen Farben vorgesehen sowie eine verspielte, kindliche Figurensprache im leichten Retro-Look der 1950er / 1960er-Jahre.
Meine absoluten Vorbilder hierbei sind Mary Blair (eine US-amerikanische Grafikdesignerin, die u. a. in den 1940er und 1950er-Jahren für Disney arbeitete) sowie Ingela P. Arrhenius (eine schwedische Illustratorin, die neben Kinderbüchern auch Spiel- und Lernprodukte im Vintage-Stil illustriert).
Die Details
Als detailverliebte Person habe ich es mir nicht nehmen lassen, einige Kleinigkeiten in meinem Kinderbuch zu „verstecken“. So ist unter anderem das Kapitel „Pfannkuchen backen“ ein richtiges Pfannkuchen-Rezept – sogar mein persönliches Lieblings- bzw. Standard-Pfannkuchen-Rezept. Die Zutaten, Mengenangaben sowie die Zubereitung sind in diesem Kapitel enthalten.
Weiterhin habe ich als Vintage-Möbel-, Interieur- und Puppenhaus-Fan versucht, diese Leidenschaften ebenfalls in meinem Abschlussprojekt unterzubringen. Meine allerliebsten Kinderbücher in dieser Richtung sind die „Das Mäusehaus“-Bücher von Karina Schaapman. Die Inhaltsangabe meines Kinderbuches ist daher als Schnitt durch Omis Wohnung dargestellt – wie bei einem Puppenhaus – sodass die Leser*innen die Einrichtung sehen können. Dabei sind auch ganz viele Möbel im Midcentury-Stil zu erkennen.
Eine weitere Spielerei, die ich gerne ausprobieren wollte, war, gewisse Dinge (bspw. Details im Hintergrund) nicht einzufärben, sondern diese einfach mit einer Kontur zu belassen, damit diese auf den ersten Blick nicht auffallen. So wird die Aufmerksamkeit zuerst auf die farbigen Flächen im Bild gelenkt, die die Hauptstory untermalen. Den Rest entdecken die Leser*innen erst zu einem späteren Zeitpunkt.
Eins meiner Lieblings-Kapitel ist „Omis Handtasche“. Als Kind hatte eine Freundin von mir ein interaktives Kinderbuch / Spielbuch / Leporello in Form einer Damen-Handtasche. Darin waren etliche Gegenstände, die sich in einer Handtasche befinden können, zum Herausnehmen und Spielen. Ich habe dieses Buch geliebt! Daran angelehnt ist die Gestaltung des Kapitels „Omis Handtasche“, in dem Omis Tascheninhalt im Detail dargestellt und von Nele näher beschrieben wird.
Herausforderungen
Meine größte Herausforderung war es, die Illustrationen mit Adobe Illustrator zu erstellen, einem Programm, mit dem ich erst wenige Monate zuvor begonnen hatte, zu arbeiten. Doch glaube ich, dass genau dadurch der kindliche Stil herausgekommen ist, der „Omi-Tage“ letztlich prägt und ausmacht. Und ich habe während des Arbeitens mit Adobe Illustrator viel dazu gelernt.
Eine weitere Schwierigkeit war es, sich auf einige wenige Kapitel und deren Umsetzung festzulegen. In meinem Notizbuch schlummern mindestens viermal so viele Kapitelideen, wie es schlussendlich in die Abschlussarbeit geschafft haben. Doch diesen Umfang hätte ich im Rahmen der vorgegebenen Zeit nicht bewältigen können – aber vielleicht gibt es ja demnächst „Omi-Tage“ Teil 2, 3, 4 …
Fazit
Durch meine Abschlussarbeit habe ich vor allem eine Menge zu Adobe Illustrator gelernt und konnte hier etwas sicherer werden.
Auch wenn die Umsetzung meines Projektes sehr zeitintensiv war, so hat es viel Spaß gemacht, die Figuren und Szenen zu entwickeln, selbst kleine Geschichten zu schreiben und alles in ein Gesamtlayout zu bringen. Das Büchlein in gedruckter Version war ein perfektes Weihnachtsgeschenk für Familie und Freunde, von denen ich sehr liebes und positives Feedback erhalten habe.
Mein Kinderbuch hat mir Lust auf mehr gemacht und ich möchte unbedingt eine Fortsetzung schreiben und illustrieren.
Das Fernstudium bei der OfG hat mir zudem den Mut gegeben, meinen bisherigen Beruf (Landschaftsarchitektur) aufzugeben und mich noch vor Abschluss meines Fernstudiums als Quereinsteigerin bei einer Mediaagentur zu bewerben, wo ich seit Juni 2022 im Bereich Grafik / Layout arbeite.
Karolin Böhm
OfG-Absolventin / Grafikdesign
instagram.com/ka.buhm91
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