Christine Kern, Dozentin für Typografie an der OfG / Online-Schule für Gestaltung

OfG-Dozenten im Fokus: Christine Kern

„Type is a beautiful group of letters – not a group of beautiful letters.“ – M. Carter

Wir freuen uns, Christine Kern als Dozentin für unseren staatlich zugelassenen Onlinekurs Typografie Masterclass vorzustellen. Wir sind stolz, Christine in unserem Team zu haben und freuen uns über den wertvollen kreativen Mehrwert und ihre ausgewiesene Expertise, die sie unseren Teilnehmenden bietet.

Ein paar Fragen zum Einstieg:

Liebe Christine, wir starten mit ein paar Stichpunkten, auf die du bitte assoziativ antwortest:

  • Lieblingstools? Handykamera, Pappkarton, Adobe Illustrator.
  • Lieblingsfarbe? Petrol.
  • Lieblings-Font? Neue Hildegard, eine gebrochene Schrift aus Rasterpunkten.
  • Lieblings-Branding? Fortuna Düsseldorf – ein mutiges Rebranding mit eigenwilliger Typo.
  • Lieblingszitat? Siehe oben 😉
  • Lieblingswebseite: fontsinuse.com
  • Lieblingskünstler: Anne-Marie Fischer, Ken Kurojiro, Christine Evans.
Vita
  • Heimatstadt Freiburg, jetzt Nähe Nürnberg
  • Studium Kommunikationsdesign in Trier und Aachen
  • Editorial Design (FAZ-Magazin, Öko-Test, Bloom’s)
  • Projektleitung Internet, Konzeption (Xtend, OMR, VVA) Düsseldorf
  • Grafik- und Screendesign in verschiedenen PR- und Werbeagenturen
  • Selbstständig seit 2010, Gründung eigener Verlag (Kindermund Verlag)
  • Dozentin und Lehrbriefautorin seit 2015 (Typografie, Grafik-Design, Adobe CC)
Auszeichnungen, Preise etc.

Ich bin kein Fan von Preisen und Auszeichnungen. Denn der Ruhm von heute ist morgen der Schnee von gestern.

Was hat dich dazu inspiriert, einen kreativen Beruf zu ergreifen?
Tatsächlich die Agentur für Arbeit. In der Berufsorientierung in der 10. Klasse wurden Broschüren mit verschiedenen Berufsbildern ausgeteilt. Ich bekam »Grafik-Designer/in« und als ich die Jobbeschreibung las, war es um mich geschehen: Das alles wollte ich machen!
Wie bist du zur OfG gekommen?

Über Karin Meyer-Haussner (Fachsupport Grafikdesign), die mir von der hohen Qualität der OfG-Kurse berichtete. Das klang so gut, dass ich mich als Dozentin bewarb.

Ich war dann zunächst längere Zeit Dozentin im Grafikdesign-Kurs, bis ich 2024 meinen eigenen Kurs – die Masterclass Typografie – für die OfG erstellt habe, den ich seither betreue.

Wie sieht dein typischer kreativer Prozess aus, und wie kommst du über kreative Blockaden hinweg?
Bei größeren Projekten wie zum Beispiel einer Buchgestaltung mache ich zuerst eine Analyse, dann ein Konzept. Ich recherchiere also zum Genre und plane genau, mit welcher Schrift ich arbeiten will, wie viele Zeichen ich auf eine Seite bringen muss, welcher Zeilenabstand optimal für die Lesbarkeit ist etc.
 
Bei kleinen Projekten kommt es vor, dass ich einfach mit Skizzen loslege und sich daraus die Gesamtidee ergibt. Zum Beispiel bei einem Handlettering-Plakat.
 
Mein persönlicher Top-Tipp bei Kreativblockaden: Den Körper bewegen, damit der Geist die Beine baumeln lassen kann. Und plötzlich kommt ... hoppla, eine Idee!
Was sind persönliche Projekte oder Hobbys von dir?
Musik machen. Meistens im Chor, manchmal auch mit der Ukulele.
 
Zahlen fotografieren. Schon Hausnummern können kleine Geschichten erzählen!
Was oder wer inspiriert dich oder ist ein Vorbild?

Roberta Bergmann (Kunst), Anna Stijohann (Musik), Moshe Feldenkrais (Bewegung). Als Lehrende für mich didaktisch unglaublich inspirierend.

Was ist dir besonders wichtig bei der Vermittlung von Wissen an die Kursteilnehmer?
Aus dem Präsenzunterricht weiß ich, dass oft ein hoher Perfektionsanspruch mitgebracht wird, mittlerweile, in Zeiten von KI, noch mehr als früher. Kreativität lebt aber vom Ausprobieren und da geht auch manchmal was schief.
 
Ich möchte den Teilnehmenden vermitteln, dass es gut ist, Fehler zu riskieren, damit die Spielfreude wach bleibt.
 
Wir haben an der OfG genau dafür tolle Voraussetzungen, denn die Teilnehmenden können in ihrem Tempo lernen. Niemand steht hinter ihnen und kritisiert sie, wenn es nicht sofort klappt.
Wie siehst du die Zukunft eines Fachbereichs und welche Kompetenzen betrachtest du als zunehmend entscheidend dafür?
Da fällt mir sofort die „Inklusive Typografie“ ein, die glücklicherweise immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Im Augenblick zwar eher in Form von leichter und einfacher Sprache, aber Typografie macht Sprache sichtbar, deshalb gehört beides eng zusammen.
 
Was meine ich damit? Durch inklusiv gedachte Typografie können wir beispielsweise verhindern, dass Menschen einen Vorgang abbrechen, weil er für sie zu unübersichtlich / schlecht lesbar geworden ist. Das kann die Buchung eines Mietwagens oder einer Ferienwohnung betreffen, einen Software-Download oder den Abschluss eines Theater-Abos (von unübersichtlichen Stimmzetteln bei Wahlen ganz zu schweigen). Und gerade neulich habe ich wieder mal versucht, die Zutatenliste auf einer Verpackung zu entziffern – schlecht gesetzt, viel zu klein und dann noch schlecht gedruckt. Die Kekse habe ich nicht gekauft.
 
Wer weiß, wie Informationen klar erfassbar visualisiert werden, kann einen großen Unterschied machen. Für die Unternehmen, die ihre Waren / Dienstleistungen verkaufen wollen und für die Menschen, die diese Produkte brauchen.
Wie bleibst du selbst neugierig und motiviert, dich ständig weiterzubilden?
Fun Fact: Dadurch, dass ich unterrichte. Ich liebe die unterschiedlichen Impulse, die durch die Studierenden in mein Leben kommen. Und obwohl darunter manchmal auch ungewöhnliche Fragen sind (die ich in der Regel trotzdem beantworten möchte), bleibe ich genau dadurch wach und neugierig.
 
Ich bin aber auch in einigen Netzwerken und auf Social Media mit @fraukernzeigtseuch unterwegs, um am Puls der Zeit zu bleiben.
Gibt es Trends oder Entwicklungen, die du spannend findest?
Momentan halte ich zwei Entwicklungen für sehr interessant:
 
1. Die Schere zwischen digitaler Technologie (z. B. KI) und analogem Arbeiten (z. B. Kalligrafie) öffnet sich immer mehr. Beide Bereiche haben ein großes gestalterisches Potenzial, driften aber stark auseinander. Während analoges Arbeiten immer individueller wird, wird die Digitalisierung (auch durch Einsparung von menschlichen Arbeitsplätzen) immer mehr Mainstream.
 
2. Was ich auch spannend finde, ist Typo-Animation. Das wird zwar aktuell unglaublich übertrieben, sodass die Bewegung keine Information mehr transportiert, sondern Selbstzweck ist. Aber manchmal passen Animation und Thema so perfekt zusammen, dass sich ein Design ganz besonders einprägt. Etwa das Logo von Dansekampen (Agentur Trydesign Norwegen).
Gibt es noch ein Thema, das dir am Herzen liegt?

Etwas, das mir im Präsenzunterricht bei jungen Erwachsenen oft begegnet ist, das aber auch hier im Onlinestudium relevant ist: Wer professionell gestalten will, muss ganz genau zwischen seinem eigenen Geschmack und allgemeinen Gestaltungsregeln unterscheiden können.

Das heißt nicht, dass Sie Ihren eigenen Geschmack nicht nutzen dürfen. Aber das heißt, dass Sie z. B. wissen, dass Ihre Lieblingsschrift wirklich nur für Headlines taugt und nicht für längere Lesetexte.

Was möchtest du der OfG-Community und zukünftigen Studierenden noch mit auf den Weg geben?

Haben Sie keine Angst, Umwege zu gehen, wenn der Umweg interessanter ist als das Ergebnis. Wir sind hier nicht im Mathematik-Unterricht, wir arbeiten kreativ. Und ein kreativer Flow kann nur entstehen, wenn man sich traut, Fehler zu machen.

Christines Arbeiten (Auszüge)

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3-ED-blooms-fleischfresser
4-CD-2025-bewise-ipad
1-ILLU-typoillu-1
5-ED-FAZ-titel
6-logo-CELEST
11-Mira-Mockup-beige
8-vr-plakatkonzept-holz
9-BB-plakat2018-mockup
10-KIMU-3-buecher
7-logo-GEOINSTITUT-deutsch

Sollten Sie Interesse an der Typografie Masterclass oder weitere Fragen haben, melden Sie sich gerne bei uns!